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Veloland Schweiz

Fahrrad und Bahn
Die Daten . Die Karte . Die Strecke . Die Bilder . Die Anreise 

Daten Nordseite

Ort Höhe ü. NN Entfernung Höhendifferenz Kumulierte Entfernung Kumulierte Höhendifferenz
Innertkirchen 625 m
Boden 870 m 5,5 km 245 m 5,5 km 245 m
Guttannen 1.057 m 3 km 187 m 8,5 km 432 m
Handegg 1.401 m 6 km 344 m 14,5 km 776 m
Räterichsbodensee 1.767 m 5 km 366 m 19,5 km 1.142 m
Passhöhe 2.165 m 6,5 km 398 m 26 km 1.540 m
Durchschnittliche Steigung 5,9 %
Maximale Steigung 11 %

Daten Südseite

Ort Höhe ü. NN Entfernung Höhendifferenz Kumulierte Entfernung Kumulierte Höhendifferenz
Oberwald 1.368 m
Gletsch 1.757 m 6 km 389 m 6 km 389 m
Passhöhe 2.165 m 6 km 408 m 12 km 797 m
Durchschnittliche Steigung 6,6 %
Maximale Steigung 10 %

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Der Pass

Durch das Herz der Alpen so könnte man den Grimselpass beschreiben. Man durchquert eines der zentralen Massive des Gebirges, den Aare-Granit. Dazu ist der Grimselpass einer der zwei Straßenzugänge von Norden ins Wallis, der andere ist das Rhônetal zwischen dem Genfer See und Martigny. Dazwischen gibt es nur die Bahn und Wanderwege diese allerdings folgen oft historischen Übergängen, die einst bedeutend waren und heute kaum noch genutzt werden, wie der Lötschenpass, der Gemmipass oder der Pas de Cheville. Was neben dem bestimmenden Granit sofort ins Auge fällt, sind die vielen Stauseen. Das Wasser ist die einzige nennenswerte Energiequelle der Schweiz, im Grimselgebiet wurden 1925 die ersten Stauseen zur Elektrizitätsgewinnung angelegt. Die Kraftwerke Oberhasli AG (KWO) sind heute der größte Arbeitgeber der Region, und die Zeichen stehen weiter auf Expansion, in der Diskussion sind neue Staumauern und die Erhöhung bestehender. Natürlich nicht ohne Widerstände, Informationen zu dieser Thematik bieten Kraftwerke Oberhasli auf ihrer Website www.grimselstrom.ch. Für andere, die kritische Seite sei stellvertretend der Grimselverein www.grimselverein.ch genannt.
Doch nun zum Radfahren, der Grimsel lässt sich mit Susten- und Furkapass zu einer schönen Pässerunde verbinden, ist aber auch Start oder Ziel der Veloroute 8, der Aareroute.

Die längere Seite ist auch die interessantere Seite des Grimsel. In Innertkirchen, durch sechs Kilometer Straße und die Aareschlucht vom Sherlock-Holmes-Ort Meiringen entfernt, geht es los. Etwa einen Kilometer lang kann man sich einrollen, dann wird das Tal enger und die Straße steiler. 5,5 km nach Innertkirchen erreicht man die nächste Siedlung, den Weiler Boden, der zur Gemeinde Guttannen gehört. Das Tal ist nun wieder etwas weiter geworden, die Straße dagegen nach einer kurzen Flachpassage steiler, etwa 8 Prozent beträgt die Steigung auf den nächsten zwei Kilometern. Zwei Serpentinen sorgen für Abwechslung, ehe kurz nach dem Passieren der 1.000m-Marke auf einer neuerlichen Talweitung das Dorf Guttannen im Blickfeld auftaucht. Guttannen ist die flächenmäßig größte Gemeinde des Berner Oberlandes, von den 200 km² sind allerdings über 90 % unfruchtbare Eis- und Felslandschaft. Wenn man Pech hat, merkt man sehr deutlich, welches Naturphänomen das Dorf so oft wie kaum einen anderen Ort in der Schweiz im Griff hat: Der Föhn. Wenn Südwestwetterlagen herrschen, wirkt der Grimselpass wie eine Düse, und das Tal wie ein Kanal, durch den die Winde beschleunigt werden. Dagegen anzuradeln ist wirklich kein großer Spaß 5060 Föhntage zählt man hier im Schnitt, an solchen Tagen sollten man vielleicht lieber über die Große Scheidegg oder den Sustenpass fahren. Für die Einwohner sind jedoch die Gefahren ungleich größer: Der Fallwind sorgt für klare Sicht, einen wolkenfreien Himmel aber auch für Trockenheit. Ähnlich wie Meiringen ist auch Guttannen mehrmals abgebrannt, da selbst kleine Funken genügen, um ein Feuer zu entfachen, das schnell auf das ganze Dorf übergreift. Und im Gegensatz zu Meiringen ist hier der häufigste Baustoff immer noch Holz (Bild 1). Bei Föhn herrscht deshalb Rauchverbot, in den Sommermonaten patroulliert in Föhnnächten die sogenannte "Föhnwache" durch den Ort, außerdem ist jeder Einwohner zwischen 21 und 50 Jahren zum Feuerwehrdienst verpflichtet.
Sollte also am Reisetag der Föhn das Tal hinunterblasen, beginnt nun für die Fahrradfahrt über den Grimsel der härteste Teil. Man verlässt Guttannen auf einer langen Gerade, die noch nicht sehr stark ansteigt (Bild 2). Erst wenn das Tal wieder enger wird, beginnt die Straße steiler zu steigen. Zwischen sieben und neun Prozent sind es nun, geradewegs nach Süden verläuft das Tal, hier ist also die "Düse" für den Grimselföhn. Der Wald wird lichter, Waldinseln wechseln sich mit Einzelbäumen ab. Ein längerer Lawinenschutztunnel folgt, danach blickt man auf zwei Serpentinen, die die nächste Geländestufe überwinden.
Oberhalb der Serpentinen liegt Handegg, mit dem Hotel Handeck und der steilsten Standseilbahn der Welt: Sie führt zum 1.805 m hoch gelegenen Gelmersee, mit einer Steigung von über 106 %. Nun, auf der Straße wird es jetzt auch steil, glücklicherweise jedoch nicht ganz so steil. Ein Zehntel reicht auch schon, mit knapp 11 % umgeht man auf der alten Passstraße einen langen und steilen Tunnel. Bild 3 zeigt einen Rückblick auf den Talkessel von Handegg (das Hotel liegt ganz hinten an der Straße), Bild 4 ist auf der Tunnelumgehung aufgenommen (das Kopfsteinpflaster ist problemlos zu befahren. Langsam ändert sich die Landschaft, mehr und mehr dominiert der blanke Granit des Aaremassivs die Szenerie. Und dazu der Beton der Staumauer des Räterichsbodensees. Beeindruckende 94 m hoch, verleiht sie der Landschaft geradezu einen unwirklichen Eindruck, insbesondere von unten (Bild 5).
Zwei Serpentinen (Bild 6) weiter steht man dann am Rand der Mauer. Der Kilometer entlang des Sees ist eine kurze Erholungsphase (Bild 7 ist schon nach dieser Erholungsphase aufgenommen), ehe man wiederum nach zwei Serpentinen die Staumauer des nächsten Sees, des Grimselsees erreicht. Hier kann man abbiegen zum Grimselhospiz, das auf dem Gipfel des Nollen auf der anderen Seite der Staumauer residiert (Bild 8). Es ist allerdings nur der Neubau des Hospizes, das alte Hospiz liegt, wie die alte Passtraße und der Säumerweg, versunken im Wasser auf dem Boden des Grimselsees. Bei schönem Wetter kann man über die Staumauer hinweg großartige Blicke auf die Gipfel des Berner Oberlandes genießen, bei schnell ziehenden Wolken ist es jedoch Glückssache, den Auslöser zur richtigen Zeit zu drücken (Bild 9). Nach einer kurzen Strecke entlang des Sees sind nun die letzten Höhenmeter bis zur Passhöhe zu überwinden. Vier Serpentinen sind es noch, sie bieten immer wieder beeindruckende Blicke über die künstliche Seenlandschaft (Bild 10) und hinein ins Herz des Berner Oberlandes. Karge Landschaft, ein wenig Wiese und viel Granit prägen das Bild, andere Farbtupfer sind die verschiedenen Verkehrsmittel (Bild 11, Bild 12). Eine letzte Serpentine noch, und man ist oben. Kioske, Hotel und Restaurants und viele Parkplätze an schönen Sommerwochenenden ist es für die Auto- und Motorradfahrer mitunter ziemlich schwierig, hier noch einen freien Platz zu ergattern. Viel Natur wird geboten hier oben, Wanderwege, Klettersteige, ein Murmeltierpark oder der Totensee auf der Passhöhe (Bild 13).
Ein lohnenswerter Abstecher von der Passhöhe ist das kleine Sträßchen zum Oberaarsee, wer dieses noch auf sich nimmt, muss bis zu 12-%-ige Steigungen überwinden, wird aber mit großartigen Blicken auf Lauter- und Finsteraarhorn und den Oberaargletscher belohnt. Ansonsten geht führt die Passstraße entlang des Totensees und dann auf der kurzen Abfahrt hinab ins Wallis.

Der erste Teil der Südseite des Grimselpasses gleicht der Westseite des Furkapasses. Von Oberwald bis Gletsch geht es relativ gleichmäßig steigend an der jungen Rhône entlang nach oben. In Gletsch teilt sich der Weg: Entweder gelangt man über den Furkapass nach Andermatt oder über den Grimselpass in den Kanton Bern. Die imposanten Kehren am Hang konnte man schon auf dem Weg nach Gletsch erkennen, auch von der Furkastraße sind sie beeindruckend (Bild 14). Sechs Kehren auf sechs Kilometern bis zur Passhöhe - Zeit genug also, um die herrliche Landschaft zu genießen: Den Blick ins Tal auf die Häuser und Bahnanlagen von Gletsch (Bild 15), den Blick auf die übereinandergestapelte Straße des Grimselpasses (Bild 16) und natürlich den berühmten Blick auf den Furkapass, mit den Resten des Rhônegletschers und dem Hotel Belvédère (Bild 17). Die sechs Kehren sind relativ einfach zu fahren, keine Steigungswechsel, nicht über 10 % steil und immer mit dem Ziel vor Augen. Relativ schnell hat man den Totensee erreicht - die Hotels und Restaurants am gegenüberliegenden Ufer fallen sofort ins Auge, dort muss also die Passhöhe sein. Ist sie auch, mit gastronomischem Service, Kiosk, Postkarten- und Andenkenläden und allem, was dazugehört, wenn der automobilisierte Bergbesucher eine Rast einlegen möchte. Nun, auch für nichtautomobilisierte Passbezwinger lohnt sich die Rast, die Landschaft um die Passhöhe ist großartig. Außerdem kann man hier vor der langen Abfahrt durch das Haslital die eine oder andere Kleidungsschicht überziehen und man muss natürlich die Passfotos schießen (Bild 18 und Bild 19).

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Die Bilder

Bild 1:
Downtown Guttannen
Bild 2:
Rückblick auf Guttannen
Guttannen
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Guttannen
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Bild 3:
Rückblick auf Handegg
Bild 4:
Tunnelumgehung
Handegg
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Tunnelumgehung
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Bild 5:
Kunst am Bau
Bild 6:
Kunst am Bau jetzt im Rücken
Mauer
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Kurven
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Bild 7:
Auf dem Weg zum Grimselsee
Bild 8:
Das Grimselhospiz auf dem Nollen

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Bild 9:
Sekundenblick auf das Finsteraarhorn
Bild 10:
Der Grimselsee
Finsteraarhorn
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Grimselsee
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Bild 11:
Postauto auf Staumauer
Bild 12:
Rad im Granit
Postauto
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Granit
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Bild 13:
Der Totensee
Bild 14:
Grimselkehren von der Furkastraße, im Tal Gletsch
Totensee
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Grimselkehren
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Bild 15:
Gletsch
Bild 16:
Stapelstraße
Gletsch
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Serpentinen
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Bild 17:
Furkablick, mit Hotel Belvédère und Rhônegletscher
Bild 18:
Passfoto ohne Blitz
Furkablick
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Bild 19:
Passfoto mit Blitz

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© der Fotos: Holger Rudolph



Die Anreise

Nach Innertkirchen mit der Bahn: Über Bern nach Interlaken, umsteigen in Richtung Meiringen. Oder mit der SBB nach Luzern, dort umsteigen in die Brünigbahn nach Meiringen. Von dort mit der Meiringen-Innertkirchen-Bahn (MIB) nach Innertkirchen.
Mit dem Auto: Von Bern über Thun und Interlaken nach Meiringen, von dort weiter in Richtung Grimselpass. Oder von Luzern über den Brünigpass bis Meiringen, weiter nach Innertkirchen.

Nach Oberwald: Mit der SBB bis Brig, dort umsteigen in die Matterhorn-Gotthard-Bahn bis Oberwald. Oder mit der SBB auf der Gotthardstrecke bis Göschenen, umsteigen nach Andermatt, von dort mit der Mattherhorn-Gotthard-Bahn durch den Furkatunnel nach Oberwald.
Mit dem Auto: Von Norden über Bern-Thun-Kandersteg-Autoverladung Lötschberg nach Brig, von Westen durch das Rhônetal bis Brig; von Brig weiter nach Ulrichen.

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