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Veloland Schweiz

Fahrrad und Bahn
Die Daten . Das Profil . Die Geschichte . Die Strecke . Die Bilder . Die Anreise 

Daten Nordseite

Ort Höhe ü. NN Entfernung Höhendifferenz Kumulierte Entfernung Kumulierte Höhendifferenz
Tiefencastel 851 m
Savognin 1.207 m 9 km 356 m 9 km 356 m
Rona 1.408 m 5 km 201 m 14 km 557 m
Mulegns-Sur 1.538 m 4,5 km 130 m 18,5 km 687 m
Marmorera-Staumauer 1.680 m 2,5 km 142 m 21 km 829 m
Bivio 1.769 m 5 km 89 m 27 km 918 m
Passhöhe 2.284 m 9 km 515 m 36 km 1.433 m
Durchschnittliche Steigung 4,0 %
Maximale Steigung 10 %

Daten Südseite

Ort Höhe ü. NN Entfernung Höhendifferenz
Silvaplana 1.815 m
Passhöhe 2.284 m 7 km 469 m
Durchschnittliche Steigung 6,7 %
Maximale Steigung 10 %

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Julierprofil

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Die Geschichte

Der Julierpass kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Er verbindet das Rheintal mit dem Engadin und dem Comer See. Schon die Römer nutzten ihn als Alpenübergang, parallel zu dem benachbarten Septimerpass und dem etwas weiter entfernten Splügenpass. Es gab also von Chiavenna nach Chur drei Wege, wobei sich Julier- und Septimerroute nur in den Teilstücken der Passhöhen unterschieden. Durch das Bergell bis Casacchia und von Bivio durch das Oberhalbstein und über die Lenzerheide benutzten beide die gleichen Wege. Möglicherweise wurde der einfacher zu befahrende Julier eher von den beladenen Karren benutzt (unterhalb des Hospizes können eindrucksvolle Karrgeleise, die von dieser Zeit zeugen, bewundert werden), während die Septimerroute für leichteren Wagen auf dem Rückweg die kürzere Alternative darstellte. Die Römer umgingen die Crap-Ses-Schlucht zwischen Cunter und Tiefencastel dadurch, dass sie ihren Weg am gegenüberliegenden Hang über Salouf und Mon bauten. Nach dem Ende des römischen Reichs im Mittelalter war der Septimer bedeutender als der Julier, die Route über den Septimerpass war sogarim 14. Jahrhundert die erste befestigte Alpen"straße" nach der Römerzeit. Als dann zwischen 1820 und 1826 die Julierstraße ausgebaut wurde, verlor der Septimer abrupt seine Bedeutung, ist heute nur noch ein Wanderweg (laut Auskunft eines aufmerksamen Lesers dieser Seiten ist er jedoch auch mit einem "normalen" Fahrrad (=Trecking-Rad, kein Mountain-Bike) zu befahren, sobald ich das mal ausprobiert habe, gibt es den Bericht hier an dieser Stelle. Seit Fertigstellung der Fahrstraße ist der Julier die wichtigste Verbindung ins Engadin. Trotz der Höhe von 2.284 m führt die Julier-Strasse nirgend durch lawinengefährdetes Gebiet, so kann der Pass ganzjährig offengehalten werden.
Empehlenswerte Lektüre über die römische Verkehrsgeschichte der Bündner Pässe sind die Bände von Armon Planta unter dem Titel "Verkehrswege im alten Rätien". Der Julier wird in Band 2 behandelt (Armon Planta: Verkehrswege im alten Rätien Band 2. Terra Grischuna Verlag, Chur 1986. ISBN 3-908133-22-X).

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Die Strecke

Die Nordseite beginnt in Tiefencastel (Bild 1) auf 851 m ü. NN das heißt, eigentlich nicht in Tiefencastel, sondern um Tiefencastel, seit die Umgehungsstraße fertiggestellt ist. Das Profil der Nordseite ähnelt einer Treppe, Steigungsstücke wechseln sich mit flacheren Passagen ab. Die erste Steigungsetappe beginnt gleich in Tiefencastel und endet in Burvagn (1.180). Von dort über Cunter, den Wintersportort Savognin bis Tinizong ist es relativ eben. Dieses Teilstück der mitunter recht befahrenen Julierstrecke lässt sich auf einem kleinen, aber schönen Umweg umgehen, der Preis sind knappe 3 km mehr zu radeln und gute 100 Höhenmeter mehr zu erklimmen. Tiefencastel biegt man rechts in Richtung Mon ab, eine kurze Abfahrt, dann geht es in mehreren Serpentinen z. T. im Wald nach oben, Steigungen bis zu 10 %. Von Mon folgt man dem Sträßchen in Richtung Del, zunächst im Feld, dann im Wald ansteigend, kurz vor Del ist der Scheitelpunkt erreicht. Bild 2 zeigt einen Rückblick über Tiefencastel auf das Aroser Rothorn und den Lenzerheidesattel von dieser Strecke. Es geht nun bergab bis in den Talboden, dann muss man noch einmal etwa 50 Höhenmeter überwinden, bis man in Cunter wieder auf die normale Julier-Route stößt. Man hat sich u. a. den unangenehm zu fahrenden Capses-Tunnel erspart.
Von Savognin bleibt es dann bis Tinizong flach, dann folgt wieder ein Steilstück bis Rona (1.410 m), anschließend abermals eine Flachstück bis Mulegns (1.486 m). Bild 3 zeigt ein Postauto, dass Mulegns auf dem dort beginnenden Anstieg bis zum Marmorera-Stausee (1.680 m) verlässt. In mehreren Kehren windet sich die Strasse hinauf. Entlang des Sees steigt die Strasse nur schwach, es geht sogar ein Stück bergab. Nun beginnt am Ende des Sees der letzte Anstieg bis zur Passhöhe. Man erreicht die Baumgrenze kurz vor Bivio (1.769 m). Bivio kann eine Besonderheit aufweisen: es ist der einzige dreisprachige Ort Graubündens. Deutsch, italienisch und rätoromanisch spricht man hier, allerdings ist das Deutsche auf dem Vormarsch. Einst war Bivio ein wichtiger Kreuzungspunkt (Bivio - zwei Wege) der Julier- und Septimerroute, heute hat man sich einen bescheidenen Tourismus aufgebaut. Ab Bivio ändert sich die Richtung: Es geht nicht mehr nach Süden, sondern nach Osten (Bild 4 zeigt den Rückblick in Richtung Bivio). Gerade weiter nach Süden führte der oben erwähnte Septimerpass. Heute ist der Julierpass viel bedeutender, was auch der Linienbusverkehr beweist (Bild 5). In ein paar Serpentinengruppen werden Steilstufen überwunden, Bild 6 zeigt den Rückblick aus einer dieser Serpentinengruppen. Dann erreicht man das etwas unterhalb der Passhöhe gelegene Hospiz (Bild 7) und schliesslich, nach einem weiten Bogen am Hang, die Passhöhe. Archäologisch Interessierten ist jedoch noch eine kurze Rast vor der Passhöhe zu empfehlen: Etwas oberhalb der heutigen Straße sind Spuren des Römerwege zu sehen, Karrgleise, die für die römischen Wagen in den Fels geschlagen wurden. Vieles, was von Touristikämtern als "Römerweg" bezeichnet wird, ist viel jüngeren Datums, diese Relikte sind jedoch echt.

Die Südseite (eigentlich die Ostseite) des Passes ist viel kürzer als die Nordseite, sie beginnt in Silvaplana im Engadin auf 1.815 m ü.NN, also fast 1.000 m höher als die Nordseite in Tiefencastel. Die komplette Südseite ist vom Skigebiet Corvatsch auf der gegenüberliegenden Seite zu überblicken (Bild 8). Man sieht, es ist Winter und die Straße ist schwarz: Der Julier ist bis auf wenige Tage ganzjährig befahrbar. Wer also unbedingt will, kann sich auch eine Passüberfahrt im Winter antun... Silvaplana erreicht man von St. Moritz in wenigen Kilometern, es geht entlang des ersten Sees der Engadiner Seenplatte (Bild 9). Im Ort beginnt der Anstieg zum Julierpass und er beginnt richtig, gleich mit der Höchststeigung. Drei Serpentinen, und schon sind die ersten 100 Höhenmeter geschafft. Immer wieder kann man schöne Blicke auf die Seen (Bild 10 der Champfèrer See) und Silvaplana (Bild 11) genießen. Nach den Kehren ist die Baumgrenze erreicht. Weiter nach oben geht es kehrenlos durch das karge Hochtal des Vallun, zu Beginn sollte man sich ab und an umdrehen, um ein letztes Mal den östlichsten Viertausender der Alpen, den Piz Bernina mit dem weißen Bianco-Grat zu sehen. Langsam taucht er hinter der Fuorcla Surlej auf (Bild 12), immer mehr wird sichtbar (Bild 13 und Bild 14), bis er dann hinter dem Hang auf der rechten Seite verschwindet. Bis zur Passhöhe ist es nun nicht mehr weit und auch nicht mehr steil. Oben stehen zwei römische Säulenfragmente, ansonsten ist es nicht sehr einladend, statt eines Hospizes (das steht ein wenig weiter unten in Richtung Bivio) gibt es einen Parkplatz und einen Kiosk-Container (Bild 15). Und natürlich ein Passschild, (Bild 16, Bild 17 und Bild 18). Außerdem wartet eine grandiose Abfahrt auf sehr gut ausgebauter Straße hinab nach Tiefencastel.

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Die Bilder

Bild 1:
Tiefencastel
Bild 2:
Rückblick auf Tiefencastel von der Strecke über Mon, hinten das Aroser Rothorn und der Lenzerheide-Sattel
Tiefencastel
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Lenzerheide
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Bild 3:
Ein Postbus oberhalb Mulegns
Bild 4:
Die Straße oberhalb Bivio
Mulegns
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oberhalb Bivio
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Bild 5:
Ein Postbus in den Kehren auf dem Weg zum Hospiz, dahinter der Roccabello (2.730 m)
Bild 6:
Rückblick in Richtung Bivio
Postbus
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Rückblick Bivio
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Bild 7:
Ein Postbus vor dem Hospiz
Bild 8:
Die Nordseite des Julier im Winter, vom Corvatsch-Skigebiet aus gesehen
Hospiz
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Julierpass
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Bild 9:
Silvaplana am Lej da Champfèr
Bild 10:
Der Lej da Champfèr
Silvaplana
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Lej da Champfèr
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Bild 11:
Silvaplana
Bild 12:
Piz Surlej, Fuorcla Surlej und der Bianco-Grat über der Passstraße
Silvaplana
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Bianco-Grat
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Bild 13:
Rückblick auf die Straße, und auf den Bianco-Grat und den Piz Bernina
Bild 14:
Der Bianco-Grat und der Piz Bernina (mit 4.020 m der östlichste Viertausender der Alpen) herangezoomt
Rückblick
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Bianco-Grat
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Bild 15:
Die "Passlandschaft"
Bild 16:
Passfoto I
Passlandschaft
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Passfoto
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Bild 17:
Passfoto II
Bild 18:
Passfoto III
Passfoto
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Passfoto
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© der Fotos: Holger Rudolph



Die Anreise

Mit der Bahn erreicht man Tiefencastel vom Bodensee oder von Basel nach Chur, dort umsteigen in die Rhätische Bahn. Mit dem Auto auf der Autobahn ebenfalls Richtung Chur, weiter in Richtung San Bernardino, bei Thusis abbiegen in Richtung Julier/St. Moritz.

Silvaplana hat keinen Bahnanschluss. Mit der Bahn kommt man bis St. Moritz, erst nach Chur mit der SBB, ab Chur mit der Rhätischen Bahn. Fahrradtransport ist in der Regel kein Problem. Von St. Moritz geht es weiter mit dem Bus, entweder Postbus oder Engadinbus. Radtransport auf Anfrage möglich (die 4 km bis Silvaplana sind aber auch problemlos mit dem Rad zu fahren...).
Mit dem Auto geht es von Chur über Thusis und den Julierpass nach Silvaplana.

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